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Pech für den Kollegen Elser

Eine kleine Geschichte über Daten und was mit ihnen so alles passieren kann, wenn man mehr Pech als Backups hat.

Anruf des Kollegen Eifrig (IT-Administrator) beim Geschäftsführer, Herrn Beständig, CEO seines Arbeitgebers.

 

Herr Eifrig: Guten Morgen Herr Beständig, ich wollte Ihnen nur mitteilen, dass die Reisekostenabrechnung für März 2017 von Herrn Elser leider nicht mehr existiert.

Herr Beständig: Herr Eifrig, wir haben 385 Angestellte, 32 davon im Außendienst. Wegen einer einzelnen Reisekostenabrechnung brauchen Sie mich das nächste Mal nicht anzurufen.
Aber sagen Sie, wieso ist die Abrechnung abhandengekommen?

Eifrig: Nun, Herr Elser war im März ja viel unterwegs, in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er hatte wie immer alle Kundentermine, die Orte, die Abwesenheitszeiten notiert und die nötigen Belege für Spesen und die Tank-Quittungen eingescannt und im System zugeordnet. Dann hat er das alles ausgedruckt und wollte es zur Buchhaltung bringen. Auf dem Weg dahin musste er den Fußweg über unser Firmengelände zum anderen Gebäude nehmen. Ein Windstoß entriss ihm die Dokumente und der plötzlich einsetzende Regen machte die Ausdrucke aus dem Tintenstrahldrucker unleserlich. Das war Pech für den Kollegen Elser.

Beständig: Ja, das ist bedauerlich. Wieso trägt der Kollege die Papiere auch selbst in Papierform zur Buchhaltung und schickt sie nicht per E-Mail oder direkt aus der Software für die Reisekostenerfassung? Warum benutzt er denn einen Tintenstrahldrucker? Und warum erstellt er die Abrechnung jetzt nicht einfach neu?

Eifrig: Nun, seine Notizen von unterwegs und die Belege sind ja weg. Und der große Laserdrucker im Flur, der  mit dem Dokumentenmanagement, mit dem man alles gleich per E-Mail versenden kann, hatte einen Virus, der die Festplatte dieses Druckers gelöscht und mit zufälligen Mustern überschrieben hat. Das war Pech für den Kollegen Elser.

Beständig: Wie kommt denn ein Virus auf einen unserer Drucker? Und nochmal, warum erstellt er die Abrechnung jetzt nicht einfach neu?

Eifrig: Na ja, der Server, auf dem die gescannten Dokumente liegen – ich meine, auf dem die Dokumente lagen, hatte einen Defekt. Nur einen winzigen zwar, ein Chip auf dem RAID-Controller, ein kleines Bauteil war kaputt. Nun sind die Festplatten an diesem Controller nicht mehr lesbar und die Daten weg, und seine Notizen von unterwegs und die Belege auch.

Beständig: Eifrig, wo ist das Backup?

Eifrig: Ein Backup haben wir, in der Cloud. Leider lässt es sich nicht wieder herstellen. Das wollten wir schon nächste Woche mal testen …

Beständig: Wieso geht der Chip kaputt? Wieso sind die Daten weg. Erklären Sie mir das mal genauer, und zwar ganz schnell!

Eifrig: Also, hmm, genau gesagt, wir von der IT waren erschrocken, hatten uns aber auch ein bisschen gefreut, als letztes Jahr das Budget für die Computertechnik  um die Hälfte gekürzt wurde.

Beständig: Was hat denn das jetzt damit zu tun und was hat Sie daran gefreut, Eifrig? Sie reden ja wirres Zeug.

Eifrig: Nein, nein, Herr Beständig, wir haben uns auf den Rekord gefreut.

Beständig: Eifrig, auf welchen Rekord, was ist das denn für ein Unsinn?

Eifrig: Na der Server, auf dem alle gescannten Dokumente lagen, hätte doch jetzt im Juni 2017 sein 10-jähriges Jubiläum bei uns. Er läuft hier ja Tag und Nacht schon seit 2007.
Nun läuft er nicht mehr und das ist eben Pech für den Kollegen Elser.

Beständig: 10 Jahre Laufzeit für einen Server bei uns? Sind Sie noch bei Trost, Eifrig?

Eifrig: Wieso denn? 10 Jahre sind noch gar nichts, in Amerika, bei einer Feuerwache in Livermore, das ist in Kalifornien, leuchtet eine Glühbirne schon seit 1901, also seit über 100 Jahren. Das ist ja, wenn man so will, auch nur ein Bauteil, durch das Strom fließt…

Beständig: Eifrig, jetzt reicht es aber! Von Ihrer IT will ich jetzt nichts mehr hören. Das wird im nächsten Meeting in den Abteilungen noch Konsequenzen haben.
Aber, so viel ich aus meiner Zeit im Außendienst, von vor 15 Jahren also, noch weiß, hat doch die Sekretärin im Vertrieb alle Belege auch noch in Papierform abgelegt. Was ist denn damit?

Eifrig: Nun, inzwischen hat Frau Emsig, die Sie sicher meinen, ein papierloses Büro. Und es ist so klein, es ist sogar fensterlos! Da wäre gar kein Platz für die Ablage. Das ist eben Pech für den Kollegen Elser.

Beständig: Papierlos, na gut, aber sie könnte ja selbst scannen und alles auf ihrem Arbeitsplatz-PC ablegen.

Eifrig: Hat sie ja, obwohl sie das gar nicht darf, lt. Datenschutzgesetz. Obwohl das ganz praktisch war. Das Passwort zu ihrem Computer ist ja eh das gleiche wie bei allen Kollegen im Vertrieb… Aber die SSD war voll, eine zusätzliche Festplatte hat ihr PC ja nicht, und ausgerechnet die Daten von Herrn Elser passten nicht mehr drauf.

Beständig: Waaaaas? Das wird ja immer schlimmer. Schluss jetzt, ich will nichts mehr hören. Aber Sie und Ihre Abteilung werden noch von mir hören, das kann ich Ihnen schon sagen! Gleich nach meiner Präsentation auf der Vorstandssitzung morgen werde ich mir den Bericht, den Sie mir jetzt sofort verfassen, sehr genau ansehen, gemeinsam mit einem externen Sachverständigen, der uns in Zukunft beraten wird.
Apropos, Präsentation, wenn Sie schon anrufen, wo ist eigentlich meine Powerpoint-Präsentation mit den Statistiken aus der IT? Und den Statistiken vom Vertrieb, vom Innendienst usw.? Die sollte ich doch schon längst haben?

Eifrig: Also, da haben wir auch ein kleines Problem Herr Beständig. Wir haben auch diese ganzen Daten fein säuberlich auf einem Server abgelegt – auf einem anderen natürlich – der ist auch noch längst nicht so alt. Aber, als gestern der Kollege Schulze wieder mal in der Firma war und mit seinem Smartphone – das sich übrigens prima direkt im Firmen-WLAN macht, trotz der alten Android-Version, die da drauf ist – direkt seinen Terminplan für die nächste Woche drucken wollte, den er immer vom Innendienst bekommt, ging das nicht. Er hat dann auf seinem Notebook versucht, den Plan zu öffnen. Irgendwie hat er aber dann doch aus Versehen den Anhang einer anderen Mail mit einem sehr ähnlichen Absender angeklickt, es musste ja schnell gehen… Haben wir eigentlich auch ein Budget für Bitcoins? Ich mein ja nur, wegen der Erpressung und der Verschlüsselungstrojaner… Das wäre sonst Pech für Ihre Präsentation und den Kollegen Elser…



Kleine Ähnlichkeiten mit der Story aus dem großartigen Sketch „Die Kuh Elsa“ (Nonstop Nonsens) des berühmten Komiker-Altmeisters Dieter Hallervorden sind durchaus beabsichtigt, aber schwer erreichbar.

Namen und Story sind selbstverständlich frei erfunden und Ähnlichkeiten zu existierenden Personen nicht beabsichtigt!